Russische Superyachten unter Kaiman-Flagge ein Hauptziel der Sanktionen

Nichts spricht für einen russischen Milliardär mehr als eine Superyacht unter Cayman-Flagge. Einige dieser in russischem Besitz befindlichen Luxusschiffe werden bald dauerhaft vor Anker liegen oder sich auf der Flucht vor den Behörden in einem pazifischen Archipel wiederfinden.

Am Mittwoch beschlagnahmte Frankreich im Mittelmeerhafen von La Ciotat die auf Cayman registrierte 88 Meter lange Amore Vero, eine Yacht, die angeblich mit Igor Sechin, dem Chef des russischen Ölgiganten Rosneft, in Verbindung steht. Das französische Finanzministerium sagte, die Yacht sei im Besitz eines Unternehmens, dessen Hauptaktionär Sechin sei. Laut der Website vesselfinder.com gehört die Amore Vero der in Monaco ansässigen Kazimo Trade & Invest Ltd.. Ebenfalls am Mittwoch beschlagnahmten laut einem Bericht des Forbes Magazin die deutsche Behörden die auf Cayman registrierte, 156 Meter lange Dilbar im Wert von 600 Millionen US-Dollar, die dem russischen Milliardär Alisher Usmanov gehört.

Die deutschen Behörden bestreiten bisher, dass das Schiff beschlagnahmt wurde, allerdings dürfen keine Yachten den Hafen verlassen würden, die dies nicht dürfen. Usmanow, Eigentümer der Industrieholding USM, steht wie Setschin auf der Sanktionsliste der Europäischen Union für Russland. Usmanov hat auch verschiedene Immobilien in ganz Europa, darunter ein historisches Herrenhaus in London, drei Villen am Tegernsee und andere Luxusimmobilien in der Schweiz, Monaco und Sardinien. Seine Yacht Dilbar liegt seit Oktober zum Refit in der Hamburger Werft von Blohm+Voss.

Vesselfinder.com identifiziert den Eigner der auf den Kaimaninseln registrierten Dilbar als Klaret Continental Leasing Ltd., eine Tochtergesellschaft der Klaret Group, die Berichten zufolge von Usmanov kontrolliert wird. Cayman ist der weltweit bevorzugte Flaggenstaat für ultragroße Yachten. Mehr als 80 % der Yachten, die länger als 80 Meter sind, sind auf den Inseln registriert. Im Segment der Superyachten mit einer Länge von über 30 Metern belegt Cayman weltweit den zweiten Platz. 

Diese Superyachten besuchen fast nie die Kaimaninseln und sind im Allgemeinen indirekt im Besitz. Sie werden in der Regel von einer Zweckgesellschaft oder Leasinggesellschaft gehalten. Ein Vorteil der Registrierung einer Yacht auf den Kaimaninseln besteht darin, dass beim Verkauf eines Schiffes keine Mehrwertsteuer oder Abgabe fällig wird. In anderen Flaggenstaaten kann allein die Mehrwertsteuer 15 % bis 25 % des Kaufpreises betragen.

Bereits am 26. Februar erklärte die US Regierung: „In der kommenden Woche werden wir eine multilaterale transatlantische Task Force einsetzen, um die Vermögenswerte sanktionierter russischer Unternehmen und Oligarchen zu identifizieren, zu jagen und einzufrieren – ihre Yachten, ihre Villen und alles andere unrechtmäßig erworbene Gewinne, die wir nach dem Gesetz finden und einfrieren können.“

Die spanischen Seebehörden forderten von den Häfen und Marinas des Landes Informationen zu allen dort vor Anker liegenden Yachten in russischem Besitz an. Danach wurde bekannt, dass die 78 Meter lange Megayacht Tango, die unter der Flagge der Cookinseln fährt und dem Milliardär Viktor Vekselberg gehört, zur Reparatur an einer Werft auf Mallorca liegt.

Viele russische Eigner haben ihren Schiffen bereits befohlen, europäische Marinas zu verlassen, um sie außerhalb der Reichweite europäischer und US-Behörden zu bringen. Fünf Superyachten im Besitz russischer Oligarchen sollen derzeit vor der Hauptstadt der Malediven, vor Anker, wie liegen. Mindestens drei von ihnen fahren unter Cayman-Flagge – Oleg Deripraskas Clio, Alexey Mordashovs Nord und Vladimir Potanins Nirvana.

Originalbeitrag: Cayman Compass

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