St. Barthèlemy (St. Barth)
St. Barthélemy – französisches Savoir-vivre mit karibischem Charme
St. Barthélemy, meist einfach St. Barth genannt, gehört zu den kleinsten und zugleich bekanntesten Inseln der Karibik. Auf nur rund 21 km² verbindet die französische Insel weiße Sandstrände und trockene Hügellandschaften mit einer ungewöhnlich anspruchsvollen Gastronomie, kleinen exklusiven Hotels, eleganten Geschäften und einem der bekanntesten Yachthäfen der Region.
St. Barth wird häufig auf Luxus, Prominente und Superyachten reduziert. Das greift jedoch zu kurz. Die Insel besitzt eine interessante französisch-schwedische Geschichte, kleine traditionelle Orte, sehr unterschiedliche Strände und überraschend viel Natur. Gerade weil große Hotelkomplexe und Massentourismus weitgehend fehlen, hat St. Barth trotz seines exklusiven Images einen eigenständigen Charakter bewahrt.
Inselübersichtskarte

St. Barth auf einen Blick

Gustavia – karibischer Hafen mit schwedischer Vergangenheit
Gustavia ist Hauptort und gesellschaftliches Zentrum der Insel. Rund um den natürlichen Hafen liegen Restaurants, Geschäfte und historische Gebäude. Wenn während der Wintersaison große Segel- und Motoryachten in der Bucht ankern, zeigt sich hier die mondäne Seite St. Barths besonders deutlich.
Die schwedische Vergangenheit der Insel geht auf einen ungewöhnlichen Handel zurück: Frankreich überließ St. Barth 1784 dem Königreich Schweden und erhielt im Gegenzug Handels- und Lagerrechte im Hafen von Göteborg. Schweden machte den Hafen zum Freihafen und benannte den Hauptort zu Ehren König Gustav III. in Gustavia um.
Fast ein Jahrhundert blieb St. Barth unter schwedischer Herrschaft. Erst 1878 kam die Insel wieder zu Frankreich. Bis heute erinnern der Name Gustavia, Straßennamen, Befestigungsanlagen und das Stadtwappen an diese ungewöhnliche Epoche.
Französisch – aber nicht Teil der Europäischen Union
Politisch besitzt St. Barth einen besonderen Status. Die Insel ist eine französische Überseegebietskörperschaft und damit Teil der Französischen Republik.
Eine Besonderheit besteht im Verhältnis zur Europäischen Union: Seit 2012 gehört St. Barth nicht mehr zum Gebiet der Europäischen Union, sondern besitzt den Status eines mit der EU assoziierten überseeischen Landes und Gebiets.
Bezahlt wird trotzdem mit dem Euro. Für Reisende ist diese Konstruktion im Alltag kaum bemerkbar, politisch unterscheidet sie St. Barth jedoch beispielsweise vom französischen Teil der Nachbarinsel Saint-Martin, der weiterhin zur Europäischen Union gehört.
St. Jean – Strand und spektakulärer Flughafen
St. Jean gehört zu den lebhafteren Gegenden der Insel. Hotels, Restaurants und Geschäfte liegen in unmittelbarer Nähe eines der bekanntesten Strände St. Barths.
Direkt daneben befindet sich der Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy-de-Haenen. Seine nur rund 650 Meter lange Landebahn liegt zwischen einem Hügel und dem Meer. Anfliegende Maschinen müssen kurz vor der Landung einen Geländerücken überqueren und setzen anschließend unmittelbar hinter dem Strand auf.
Damit besitzt St. Barth neben Maho Beach auf Sint Maarten ein weiteres außergewöhnliches Flugerlebnis der Karibik – allerdings in wesentlich kleinerem Maßstab. Große Verkehrsflugzeuge können hier nicht landen.
Strände – klein, schön und sehr unterschiedlich
Trotz seiner geringen Größe besitzt St. Barth eine erstaunliche Auswahl an Stränden. Sie unterscheiden sich deutlich in Lage, Atmosphäre und Erreichbarkeit.
St. Jean Beach verbindet Strand mit Restaurants und touristischer Infrastruktur. Flamands gehört zu den längsten Stränden der Insel, während Gouverneur und Saline wesentlich naturbelassener wirken.
Besonders reizvoll ist Colombier Beach. Die Bucht ist nicht direkt mit dem Auto erreichbar, sondern nur zu Fuß oder vom Wasser aus. Gerade diese eingeschränkte Erreichbarkeit trägt dazu bei, dass Colombier seinen ursprünglichen Charakter bewahrt hat.
Alle Strände der Insel sind öffentlich zugänglich.
Colombier – zu Fuß zu einer der schönsten Buchten
Der Weg nach Colombier zeigt, dass St. Barth nicht nur aus Strandrestaurants und Yachten besteht.
Von zwei Seiten führen Wanderwege zur abgelegenen Bucht. Unterwegs öffnen sich immer wieder weite Blicke über das Meer und die felsige Küstenlandschaft.
Die Wanderung ist nicht extrem anspruchsvoll, festes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind bei der karibischen Wärme dennoch sinnvoll. Am Ziel wartet eine geschützte Bucht mit klarem Wasser, die sich gut zum Schwimmen und Schnorcheln eignet.
Für Reisende, die gern etwas Bewegung mit einem Strandbesuch verbinden, gehört Colombier zu den schönsten Unternehmungen der Insel.
St. Barth – Treffpunkt für Gourmets und Rumliebhaber
Genuss gehört auf St. Barth fast ebenso zur Insel wie Strände und Yachten. Für eine Insel mit nur rund 21 km² besitzt St. Barth eine bemerkenswert vielfältige Gastronomieszene. Französische Kochtradition trifft hier auf karibische Zutaten, frischen Fisch und Meeresfrüchte sowie internationale Einflüsse.
Das Angebot reicht von eleganten Gourmetrestaurants und anspruchsvollen Hotelrestaurants bis zu kleinen Bistros und entspannten Strandrestaurants. Dabei geht es keineswegs nur um möglichst exklusives Fine Dining. Gerade die Verbindung aus französischer Esskultur, hochwertigen regionalen Produkten und karibischer Atmosphäre macht den besonderen Reiz aus.
Die Bedeutung der Gastronomie zeigt sich auch beim St. Barth Gourmet Festival, das internationale Spitzenköche auf die Insel bringt. Gastköche arbeiten dabei mit den Küchen verschiedener Hotels und Restaurants zusammen und präsentieren eigens für das Festival entwickelte Menüs. St. Barth hat sich damit weit über die Karibik hinaus einen Namen als kulinarische Destination gemacht.
Interessanterweise entwickelt sich St. Barth gleichzeitig zu einem Treffpunkt für Rumkenner, obwohl die Insel selbst nicht zu den klassischen Rumproduzenten der Karibik gehört.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Caribbean Rum Awards St Barth. Das mehrtägige Festival bringt Rumproduzenten, Fachleute und Liebhaber hochwertiger Rumsorten zusammen. Verkostungen, Masterclasses, Rum-Dinner und Veranstaltungen rund um Rum und Ti‘ Punch machen die Insel für einige Tage zu einem Zentrum der internationalen Rumszene.
Besonders gut passt dazu die französisch-karibische Prägung St. Barths. Entsprechend spielen auch die Rhums Agricoles aus Martinique und Guadeloupe eine wichtige Rolle. Sie treffen auf traditionelle Melasse-Rums anderer karibischer Inseln und hochwertige Abfüllungen aus weiteren Herkunftsregionen.
Damit hat sich auf St. Barth eine interessante Kombination entwickelt: Die Insel produziert selbst kaum Rum, bietet aber eines der anspruchsvollsten gastronomischen Umfelder der Karibik, um ihn zu entdecken und zu genießen.
Yachten und Segeln
Gustavia gehört zu den bekanntesten Yachthäfen der Karibik. Besonders während der Wintersaison liegen zahlreiche große Segel- und Motoryachten vor der Insel.
Hinzu kommen internationale Segelveranstaltungen und Regatten. Damit ist das Meer auf St. Barth nicht nur Kulisse, sondern ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.
Wer selbst segelt oder sich für klassische und moderne Yachten interessiert, findet deshalb zu bestimmten Zeiten des Jahres eine außergewöhnliche maritime Atmosphäre.
Eine Insel ohne große Resorts
St. Barth hat sich touristisch anders entwickelt als viele andere bekannte Karibikinseln. Große All-inclusive-Anlagen und weitläufige Hotelkomplexe bestimmen nicht das Landschaftsbild.
Stattdessen dominieren kleinere Hotels, Villen und hochwertige individuelle Unterkünfte. Das macht die Insel exklusiv und entsprechend teuer, verhindert aber gleichzeitig, dass ganze Küstenabschnitte von riesigen Resortanlagen geprägt werden.
Luxus zeigt sich auf St. Barth deshalb häufig eher durch Qualität, Lage und Privatsphäre als durch die Größe einer Hotelanlage.
Anreise über Sint Maarten
Der kleine Flughafen von St. Barth kann ausschließlich von entsprechend geeigneten kleineren Flugzeugen angeflogen werden.
Für viele internationale Reisende führt der Weg deshalb zunächst zum Princess Juliana International Airport auf Sint Maarten und von dort mit einem Regionalflug weiter nach St. Barth.
Alternativ bestehen Fährverbindungen zwischen St. Martin/Sint Maarten und Gustavia.
Gerade dadurch lassen sich beide Destinationen hervorragend miteinander kombinieren: die größere, lebhaftere und international hervorragend angebundene Doppelinsel St. Martin/Sint Maarten und anschließend einige ruhigere Tage auf St. Barth.
Unterwegs auf St. Barth
Ein Mietwagen ist die flexibelste Möglichkeit, die Insel zu erkunden. Gefahren wird rechts.
Die Entfernungen sind kurz, die Straßen jedoch teilweise schmal, steil und kurvenreich. Kleine Fahrzeuge sind deshalb ausgesprochen praktisch.
Wer die Insel zum ersten Mal besucht, sollte sich nicht von den wenigen Kilometern täuschen lassen. Die Topografie sorgt dafür, dass selbst kurze Fahrten durchaus etwas Zeit benötigen können.
Klima und Reisezeit
St. Barth besitzt ganzjährig tropisch warme Temperaturen. Die trockenere Hauptreisezeit liegt vor allem in den Winter- und Frühjahrsmonaten.
In dieser Zeit ist die Insel allerdings auch besonders gefragt und entsprechend teuer. Rund um Weihnachten und den Jahreswechsel erreicht die Hochsaison ihren Höhepunkt.
Von Juni bis November liegt St. Barth innerhalb der atlantischen Hurrikansaison. Wie stark die Insel von tropischen Wirbelstürmen betroffen sein kann, zeigte Hurrikan Irma im Jahr 2017.
Für wen eignet sich St. Barth?
Genießer finden eine für eine so kleine Insel außergewöhnliche Auswahl an Restaurants und eine ausgeprägte französisch-karibische Esskultur.
Strandurlauber können zwischen lebhafteren Stränden wie St. Jean und ruhigeren Buchten wie Gouverneur, Saline oder Colombier wählen.
Rumkenner finden mit den Caribbean Rum Awards einen zunehmend interessanten Treffpunkt für hochwertige karibische Rums und Rhums Agricoles.
Segler und Yachtliebhaber erleben besonders während der großen Regatten und der Wintersaison eine der interessantesten maritimen Destinationen der Karibik.
Individualreisende profitieren von kurzen Wegen, kleinen Unterkünften und der Möglichkeit, St. Barth hervorragend mit St. Martin/Sint Maarten zu kombinieren.
Ruhesuchende Best Ager finden außerhalb der gesellschaftlichen Hochsaison eine gepflegte, überschaubare Insel mit guten Restaurants, schönen Stränden und kurzen Entfernungen.
St. Barth ist sicherlich keine preiswerte Karibikdestination. Wer jedoch bereit ist, für Qualität, Gastronomie und eine weitgehend von großen Hotelanlagen verschonte Umgebung mehr auszugeben, findet hier eine ungewöhnliche Mischung aus französischem Savoir-vivre und karibischem Charme.
Und gerade die fast hundertjährige schwedische Vergangenheit, die besondere politische Stellung, der spektakuläre Flughafen und die wachsende Bedeutung für Rumkenner zeigen, dass St. Barth wesentlich mehr zu bieten hat als Superyachten und prominente Gäste.
Inselimpressionen




