Little Cayman – seltene Cayman Leguan-Babys von verwilderten Hauskatzen bedroht

Kleine Cayman-Leguane müssen in Käfigen gehalten werden, um sie vor wilden Katzen zu schützen. Laut Umweltministerium der Cayman Islands (DoE) sind neben den Felsenleguanen auch Rotfuß- und Brauntölpel und andere Arten durch verwilderte Katzen stark bedroht

Mehr als 50 junge Felsenleguane auf Little Cayman müssen ihre ersten Lebensjahre in Käfigen verbringen. Damit versuchen das Umweltministerium und die Anwohner, sie vor wilden Katzen auf der Insel zu schützen. Laut dem Umweltministerium der Caymans (DoE) sind nicht nur die blauen Leguane sondern auch andere einheimische Tiere und Vögel wie der Rotfuß- und Brauntölpel auf Little Cayman wegen der Katzen bedroht, die auf der Insel eine invasive Art sind. Anfangs wurden 67 der vom Aussterben bedrohten Leguane in Käfigen gehalten, aber aus Platzgründen wurde diese Zahl auf 56 reduziert. Es mag eine extreme Lösung erscheinen, aber es ist derzeit die einzige Möglichkeit, zu garantieren, dass die Leguane nicht von den Hunderten von Wildkatzen auf der Insel getötet werden, sagte Tanja Laaser, Praktikantin beim DoE, die zusammen mit ihrer Kollegin Jane Haakonsson das Schutzprogramm leitet.

Pläne für eine Keulung der wilden Katzen wurden Anfang 2018 gestoppt, als ein Gericht der gemeinnützigen Cayman Islands Humane Society und Feline Friends eine einstweilige Verfügung erteilte, die das DoE und das Landwirtschaftsministerium daran hinderte, die Wildkatzenpopulation der Insel auszurotten. 

Laut Laaser gäbe es auf Little Cayman aktuell fast keine Leguane im Alter zwischen 1 und 3 Jahren mehr, da die Leguan-Babys von Katzen gefangen werden. Ein Anwohner, sagte dem Cayman Compass: „Niemand tötet gerne Dinge, aber wir müssen überlegen, welche Art wichtiger ist. Wir haben so viele endemische Arten, Vögel, Leguane, Krausschwanzechsen, Anolis, alles, was hier heimisch ist, wird von den Wildkatzen getötet, die nur hier sind, weil die Leute sie als Haustiere mitgebracht und dann verlassen haben.“ 

Das Schutzprogramm für Baby-Leguane startete im September 2020.  Tanja Laaser und Freiwillige bergen die Babys in der Wildnis geborgen und schützen sie somit vor den Katzen. „Das ist keine langfristige Lösung“, sagte Laaser. „Einheimische Arten in Käfige zu stecken, während eine invasive Art freiläuft und mehr Tiere tötet, das ist einfach nicht richtig.“ Es begann  mit 67 Babys, obwohl das Projekt technisch gesehen nur eine Kapazität von 50 hatte, da es nur 50 Käfige gab. „In einigen Fällen mussten wir zwei in einen Käfig stecken, aber das ist nicht ideal. Auch als Jungtiere sind Leguane sehr territorial und mögen keine Mitbewohner.“ Wenn die Leguane mit 2-3 Jahren groß genug sind, um sich vor den Katzen verteidigen zu können, werden sie freigelassen. Das Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt des DoE und des Little Cayman Museums, das sich im Besitz der Familie Tibbetts befindet, auf deren Land sich die Schutzkäfige  befindet. Ohne die Katzen auf der Insel könnten diese Leguane sich selbst versorgen.

Bis zur Ankunft der Katzen waren große Vögel und zwei Schlangenarten die einzigen natürlichen Feinde der Leguane auf der Insel. „Die Leguane sind sehr naiv“, sagte Laaser. „Sie erkennen nicht, dass die Katzen eine Gefahr für sie darstellen, also sind sie sehr leichte Ziele für die wilden Katzen. Es ist nicht in ihre DNA eingeprägt. Sie wissen nicht, dass sie weglaufen sollen. Sie wissen nicht, was Katzen sind.“ Laaser sucht täglich nach Futter für die Tiere, sammelt Früchte und Blätter, die sie zerkleinert und mischt. „Das einzige, was wir tun können, um die einheimischen Arten hier zu retten, ist, die Leguane in Käfige zu stecken. Aber man kann wilde Vögel nicht in Käfige stecken, und die werden auch von den Katzen angegriffen“.

Stark sinkende Bestandszahlen

Laut Recherchen des DoE gab es 2019 schätzungsweise 1.786 Blaue Leguane auf der Insel – was einem Rückgang von 39 % im Vergleich zu einer Erhebung von 2015 entspricht. „In vier Jahren haben wir also 1.000 Leguane verloren“, sagte Laaser. „Das heißt, wenn nichts unternommen wird, werden es in weiteren vier Jahren nur noch 800 Leguane geben. Und vier Jahre später keine Leguane.“

Die Tierschutzorganisationen, die sich dem Keulungsplan widersetzen, argumentieren, dass ein Ansatz „Falle, Sterlisierung, Impfung und Freilassung“ verwendet werden könnte, um die Wildkatzenpopulation zu kontrollieren und sie schließlich verschwinden würde. Allerdings müssen auch kastrierte Katzen fressen, was zu einer weiteren Dezimierung der ohnehin schon geschwächten Leguan-Population führen würde. Bisher konnte noch keine Einigung erzielt werden.

In einem Facebook-Posting erklärte das Umweltministerium der Caymans: „Little Cayman erlebt derzeit eine Umweltkrise. Die Insel wird von einer Masse invasiver Wildkatzen überrannt. Diese Tiere töten die einheimische und geschützte Tierwelt unseres Landes, darunter den Rotfußtölpel, den Brauntölpel und die Sister Islands Rock Iguanas. DoE-Wissenschaftler schätzen, dass einige dieser Arten auf Little Cayman innerhalb weniger Jahre ausgestorben sein werden, wenn nicht so schnell wie möglich ein tragfähiges, humanes Bekämpfungsprogramm eingeführt wird. Die Lage ist ernst.“

Originalbeitrag: Cayman Compass, Norma Connolly

Fotos: Marc Pothier und Cayman Compass

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