Planter´s Punch – Mythen und Fakten eines Cocktailklassikers

Fast jeder Erwachsene hat ihn bestimmt schon mal an irgendeiner Bar dieser Welt getrunken. Der Longdrink-Klassiker findet sich auf fast jeder Barkarte und er bedeutet Karibikfeeling und -geschmack pur. Aber was steckt hinter diesem Drink wirklich? Ist es ein Cocktail, ein Longdrink, ein Sour, ein Fizz oder doch nur ein Punsch? Warum streiten sich Barkeeper und Cocktail-Afissionados über seine Zubereitung? The Caribbean Embassy versucht, die wahre Spur des Planter´s aufzunehmen.

Schon der Name suggeriert einen „Pflanzer“- sprich Plantagenbesitzer- in der Karibik, der auf der Veranda seines Plantagenhauses in der schwülen Nachthitze diesen eiskalten, fruchtig süßen Cocktail genießt und seinen Blick über seine Ländereien schweifen lässt. Hm… da kann schon etwas nicht stimmen. Eiskalt kann nicht sein, da die technische Kühlung erst Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden wurde. Fruchtig süß klingt auch irgendwie unwahrscheinlich, da man in der Hitze der Tropen ohne Kühlung nicht Säfte süßer Früchte, sondern säuerliche Früchte wie Limetten oder Zitronen mit Wasser verdünnt bevorzugte. Also wohl eher doch nicht Karibik.

Die US-Amerikaner haben`s erfunden und die Briten darüber berichtet

Ziemlich sicher ist, dass es einen Cocktail gleichen Namens im Planter Hotel in Charleston, South Carolina, gegeben hat. In der Septemberausgabe 1878 des Londoner Magazins Fun heisst es zum Rezept wie folgt:

A wine-glass with lemon juice fill
Of sugar the same glass fill twice
Then rub them together until
The mixture looks smooth, soft, and nice.

Of rum then three wine glasses add,
And four of cold water please take. A
Drink then you’ll have that’s not bad—
At least, so they say in Jamaica.

Fülle ein Weinglas mit Zitronensaft,
Mit Zucker fülle das gleiche Glas zweimal.
Dann vermische es bis
Die Mischung sieht glatt, weich und schön aus.

Von Rum füge dann drei Weingläser hinzu,
Und vier kaltes Wasser nimm bitte.
EIN Getränk hast du dann, das ist nicht schlecht –
Sagt man zumindest in Jamaika.

„Wine Glass“ ist eine Anfang des 20. Jahrhunderts gebräuchliche Mengenangabe. Sie entsprach dem tatsächlichen Inhalt eines kleinen Weinglases von 1,5 oz = 44 ml. Das Messgefäß war aber meist nicht aus Glas sondern aus Metall, hatte die Form eines Sherryglases, dass im Englischen damals Gigger genannt wurde. Und schon kennen wir die Herkunft des Namens des Lieblingsinstruments des Barkeepers – den Jigger.

Aber zurück zum Rezept – ist das nicht das klassische Punsch Rezept nur ohne Gewürze? Ein Teil Saures (Limettensaft), zwei Teile Süßes (Zucker), 3 Teile Starkes (Rum) und vier Teile Schwaches (Wasser). Also ist der Planter´s doch ein Punsch oder nicht?

Auf dem Weg zum Urvater aller Sours, Fizz und Fancy Drinks

Der Hohepriester der Barkultur – Vic Bergeron – gibt das Rezept des Planter`s Punch 1946 in seinem Trader Vic´s Book of Food & Drinks wie folgt an:

9 cl Jamaika Rum
1,5 cl Grenadine
1 cl Zuckersirup (2:1)
3 cl Limettensaft
1,5 cl Zitronensaft
Etwas Soda

Das Mischungsverhältnis stimmt noch, allerdings fügt er die damals beliebte Grenadine dem Rezept bei. Zudem werden die Zutaten im Shaker auf Eis geschüttelt und dann im Glas mit 2-3 cl Soda aufgefüllt.

Kurze Zeit später erschienen in den USA die ersten Rezepte, die auch zusätzlich Angostura Bitter und neben Limettensaft auch andere Fruchtsäfte enthielten. Mit der wachsenden Beliebtheit als Cocktail wuchsen natürlich auch seine Variationen. Fest steht also, dass es nicht „das“ Planter`s Punch Rezept gibt, sondern eine Vielzahl von Interpretationen. Egal für welches Rezept man sich auch immer entscheidet, wenn das Grundrezept eingehalten wird, schmecken sie in der Regel alle-  ein Teil Saures (Fruchtsaft), 2 Teile Süßes (Zucker), 3 Teile Starkes (Rum) und 4 Teile Schwches (Wasser). Ungeachtet seiner Entwicklung über die Jahrzehnte ist der Planter´s trotz aller Veränderungen immer das geblieben, was er ursprünglich war – ein leckerer Punsch. Heute gilt der Punsch als Urvater solch populärer Cocktailkategorien wie der Sours und Fizzes. Auch die in den 1980er Jahren noch Fancy Drinks genannten Cocktails sind im wesentlichen Punschvariationen.

Die IBA (International Bartenders Association) zählt den Planer´s zu den The Unforgettables  ( „Die Unvergesslichen“ ) und ihr offizielles Rezept lautet:

ZUTATEN
45 ml jamaikanischer Rum
15 ml Limettensaft
30 ml Zuckerrohrsaft

METHODE
Gießen Sie alle Zutaten direkt in einen kleinen Becher oder ein typisches Terrakottaglas.

HINWEIS:
Fügen Sie Verdünnung nach Geschmack hinzu, es kann durch Wasser, Eis oder frische Säfte gegeben werden.

GARNIERUNG
Mit Orangenschale garnieren.

Eine Frage des Rum?

Natürlich schmeckt ein Planter´s auch mit einem Bacardi, Havana Club oder einem anderen smoothen Cuban Style Column Still Rum. Aber für Traditionalisten gehört in das Original ein dunkler,  kräftiger und vielfältiger Rum – nicht zwingend aus Jamaika – aber eben Pott Still. Sie werden den Unterschied in jedem Fall schmecken.

Also scheuen Sie sich nicht, ihren eigenen Planter´s Punch zu kreieren, ganz nach Ihrem Geschmack und Vorlieben. Sie werden immer richtig liegen. Hier noch zwei Rezeptvariationen des Planter´s.

Die karibische Variante der  ACR – Authentic Caribbean Rum Association – einer Vereinigung karibischer Rumproduzenten – ist aus unserer Sicht geschmacklich besonders ausgewogen und durch die frischen Früchte besonders delikat:

50 ml Authentic Caribbean Rum
2 Teelöffel Orangen-Curaçao (Triple Sec)
50 ml frische Orange (gepresst)
50 ml Ananas (püriert)
2 1/2 Teelöffel Limettensaft
2 Teelöffel einfacher Sirup
1 Tropfen Grenadine
1 Tropfen Angostura
1 Maraschino-Kirsche zum Dekorieren

https://acr-rum.com/de/rum-drinks/cocktails/planters-punch/

Und hier noch eine wahre „Fruchtbombe“ für den geselligen Karibikabend als Planteur Punch

Zutaten für 10 Personen

Zubereitung: 15 Minuten 

250 ml Guavensaft
250 ml Bananensaft
250 ml Grapefruitsaft
250 ml Passionsfruchtsaft (altenrantiv Maracuja)
250 ml Ananassaft
250 ml Orangensaft
50 cl dunkler jamaikanischer Rum
3 EL Grenadine (Granatapfelsirup)
4 EL Zuckerrohrsirup
1 Prise gemahlener Zimt
1 EL Angostura Bitter
3 Passionsfrüchte
1 unbehandelte Orange
1 unbehandelte Limette

Zubereitung
Die Fruchtsäfte in einem Krug oder einer großen Bowlenschale mischen.  
Den Rum, die Grenadine, den Zuckerrohrsirup, den Zimt und den Angostura zugeben und alles gut verrühren. Die Passionsfrüchte halbieren, das Fruchtfleisch herauslösen und in den Saft einrühren. 

Die Orange und die Limette in Scheiben schneiden und in den Fruchtsaft geben. Den Planteur kalt stellen und in Gläsern auf Eis servieren.

Cheers, Salud und Zum Wohl!

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