Garifuna – die Geschichte der „Schwarzen Kariben“

Das Jahr 2021 markiert 224 Jahre seit der Vertreibung der Garifuna von der Insel Yurumei (heute St. Vincent und die Grenadinen), dem Heimatland der Vorfahren nach Roatan/ Belize in Mittelamerika. Dieses traumatische Ereignis verbindet die Garifuna in Honduras, Nicaragua, Guatemala, Belize, den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt mit ihrer ehemaligen karibischen Heimat. 

Garifuna (in der Garifuna-Sprache „Yams­esser“) sind eine Volksgruppe mit über 100.000 Angehörigen in Zentralamerika und den USA. Sie entstand aus der Vermischung ehemaliger Sklaven aus Westafrika und Indianern des Stammes der Arawaken und Kariben, die ab dem 17. Jahrhundert auf der Karibikinsel St. Vincent stattfand. Der Zusammenschluss der beiden Bevölkerungsgruppen nahm vermutlich 1635 seinen Anfang, als bei St. Vincent zwei Schiffe mit westafrikanischen Sklaven an Bord Schiffbruch erlitten. Die Afrikaner konnten fliehen, wurden von den Inselkariben (Kalipona) aufgenommen und vermischten sich mit ihnen. Die Indianer des Stammes der Kariben waren zuvor selbst mit den von ihnen einst unterworfenen Arawak-Indianern verschmolzen.

Die Garifuna, die es nicht zuletzt aufgrund der französisch-englischen Konkurrenz immer wieder schafften, ihre Unabhängigkeit zu bewahren und die mit den französischen Siedlern weitgehend friedlich zusammenlebten, wurden nach der endgültigen britischen Inbesitznahme der Insel 1795 und der damit einhergehenden Ausbreitung der Sklavenwirtschaft von den britischen Kolonialherren argwöhnisch betrachtet. Die kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Briten auf der einen Seite und Garifuna sowie Franzosen auf der anderen Seite endeten im „Karibenkrieg“ 1796 mit der vollkommenen Niederlage der Franzosen und an ihrer Seite kämpfenden Garifuna. Die besiegten Garifuna wurden – zusammen mit einigen aufständischen Sklaven – zunächst auf die nahegelegene Insel Baliceaux deportiert, wo mehr als die Hälfte von ihnen starben. 1797 wurden dann die überlebenden 2.000 „schwarze Kariben“ (Black Caribs) von den Engländern auf die Insel Roatán vor der honduranischen Küste umgesiedelt. Um 1832 wanderten viele Garifuna von dort auf das Festland nach British Honduras – heute Belize aus, wo noch heute der größte Teil der Garifuna lebt.

Die Sprache der Garifuna wird auch Igñeri genannt und gehört zur indigenen amerikanischen Arawak-Sprachfamilie. Sie zeigt im Wortschatz indigene karibische, französische und englische Einflüsse. Die religiös-kulturelle Überlieferung ist überwiegend (west)afrikanisch. Karibischer Herkunft sind neben der Sprache bestimmte Tanzformen, bestimmte Sagen sowie einzelne rituelle Praktiken, die man heute noch in ähnlicher Form bei bestimmten Amazonasstämmen findet

Am 18. Mai 2001 wurde das Erbe und die Kultur der Garifuna von der UNESCO zum Meisterwerk des immateriellen Erbes der Menschheit erklärt.Die Garifuna Heritage Foundation (TGHF) von St. Vincent und die Grenadinen arbeitet seit 2001 daran, die Erforschung des Erbes und der Kultur der Garifuna durch die Einrichtung des International Garifuna Research Center zugänglicher zu machen und veranstaltet internationale Konferenzen. 

Quelle: St. Vincent Times

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