Havanna und seine Oldtimer

Havanna – die Hauptstadt Kubas steht bei vielen Menschen auf der Liste der noch zu besuchenden Reiseziele. Hier schlug einst das Herz der großen Antillen. Havanna steht für Kolonialgeschichte, die Revolution unter Führung von Castro und Che Guevara aber auch für einer karibischen Metropole mit ausgelassenen Menschen, Musik wie Son und Salsa, Daiquiri und Mojito Cocktails, Rum, Zigarren und vieles mehr.

Was aber auch jedem Besucher in Erinnerung bleibt, ist die Vielzahl der Oldtimer, die den Verkehr in Havanna maßgeblich ausmachen und teilweise sogar dominieren. Was hat es mit dieser Ansammlung so vieler, uralter Straßenkreuzer des letzten Jahrhunderts auf sich und warum sind sie nicht längst verschrottet?

 

 

Vor der Revolution fuhr man einen US-Auto

Die vielen Oldtimer sind sozusagen die Überlebenden des vorrevolutionären Kubas. Nach der Unabhängigkeit von den Spaniern war Kuba zwar pro forma ein unabhängiges Land, in Wirklichkeit wurde es aber durch die Vereinigten Staaten politisch als auch wirtschaftlich dominiert. Bereits im 19. Jahrhundert profitierte Havanna vom wachsenden Handel zwischen der Karibik und den USA. Die Stadt wurde reich und erwarb den Beinamen „Paris der Antillen“. Natürlich fuhr man auf Kuba, wenn man es sich leisten konnte, einen Cadillac, Pontiac, Ford, Plymouth, Packard oder Chevy.  Nach der Revolution 1950 war es zwar weiterhin erlaubt, privat ein Auto zu besitzen und auch damit zu handeln. Dies galt aber nur, wenn es vor 1959 gebaut worden war. Somit waren die US-Schlitten bis in die 2000er Jahre fast die einzigen Autos im Privatbesitz auf Kuba.

Mangels Ersatzteilen zum Verrosten verurteilt

Zwar gab es auch Enteignungen und bestimmte Modelle wurden vom Staat eingezogen. Aber im Allgemeinen blieben die vor 1950 erworbenen Autos bei ihren Besitzern. Die konnten in der Regel jedoch wenig damit anfangen. Es gab weder Kraftstoff noch Ersatzteile. So verschwanden sie von den Strassen Havannas und viele der schönen Schlitten wurden eingemottet, ausgeschlachtet und rosteten vor sich hin. 

Erst seit dem Beginn der 2000 gibt es auf Kuba auch für Privatpersonen die Möglichkeit, Neuwagen zu kaufen. Allerdings sind die Importe von vor allem chinesischen aber auch anderen westlichen Autos stark beschränkt und sie werden vom Staat mit enormen Aufschlägen verkauft.

Die Wiedergeburt der US-Oldtimer als Taxi

Ab 1950 blieben Neuwagen vor allem aus sowjetischer und osteuropäischer Produktion ausschließlich dem Militär, der Verwaltung , der Partei sowie den Staatsbetrieben vorbehalten. Lada, Moskwitch, Wolga und Co. dominierten bis in die 90er Jahre den öffentlichen Straßenverkehr. Nach dem Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks und anhaltende US-Blockade versiegte dieser Strom und auch der, der dazugehörigen Ersatzteile. Die Krise der kubanischen Wirtschaft beeinträchtigte natürlich auch den öffentlichen Personentransport ein. In Havanna gibt es nur den Busverkehr mit den „Guaguas“ genannten öffentlichen Bussen und staatliche Taxibetriebe.

In Anbetracht der fehlenden Beförderungsmöglichkeiten sah sich der kubanische Staat daher vor einigen Jahren gezwungen, das Monopol der Beförderung von Privatpersonen aufzugegeben. Praktisch jeder konnte eine Taxilizenz erwerben. Mit einem Mal konnte jemand, der ein altes Auto besaß, damit offiziell Geld verdienen. Damit begann die große Zeit der Oldtimer in Privatbesitz. Sie wurden aus der Versenkung geholt, repariert, neu zusammengebaut und als Taxis und vor allem Sammeltaxis „Almendrones“ genannt auf den Straßenverkehr losgelassen.  

Die große Stunde kubanischen Auto-Schrauber

Die über Jahrzehnte verrosteten Oldtimern, ohne Ersatzteile und entsprechendes Reparaturequipment wieder fahrbereit zu machen, war die Geburtsstunde einer Generation von Schraubern, wie der Rest der Welt sie wohl kaum noch kennt. Sie können rund ums Auto alles. Sie machen Schrotthaufen wieder flott, formen Teile aus einem Stück Schrott, bauen Klimaanlagen ein, elektrische Fensterheber, kombinieren Uralt-Radios mit DVD-Playern und Anschlüsse für USB-Sticks. Sie zaubern neue Motorhauben und Kotflügel, polstern Sitzbänke stilecht ohne jede Chance auf echtes Leder,  installieren moderne Stereoanlagen und tauschen Motoren aus, die teilweise gar nicht für den Einsatz in einem Auto vorgesehen sind. 

Oldtimerrestauration auf kubanisch = Autotechnik 4.0

Der Weg von der Rostlaube zur fahrbaren und auch noch vorzeigbaren „Maquina“, wie die US Museumsstücke auch genannt werden, ist lang und steinig. Ohne die bewundernswerte Hartnäckigkeit der kubanischen Schrauber und ihre Improvisationsfähigkeit wäre das undenkbar. Der typische kubanische Oldtimer besteht kaum noch aus den Originalteilen. In den 50igern liefen die  US-Wagen mit Hubraum-Giganten und Acht-Zylinder-Benzin-Motoren. Heute sind es oft kleine Diesel-Aggregate die teilweise nicht einmal aus einem Auto stammen und mit ihren deutlich weniger PS oft Mühe haben, die tonnenschweren Kolosse zu bewegen. Aber diese Motoren so zu modifizieren, dass sie überhaupt passen — ist für jeden Technikkenner einfach unglaublich. 

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Auf Kuba haben Generationen von begabten Automechanikern und Autodidakten gelernt, mit dem Mangel klarzukommen. Einzelteile werden umgearbeitet oder komplett neu von Hand gefertigt. Für fehlendes Material nutzt man entsprechend verfügbare Alternativen. Wenn man wirklich mal nicht weiterkommt, kennt man einen, der einen kennt, der helfen kann oder das passende Werkzeug oder Material besitzt. An allem herrscht Mangel – egal ob Schweißdraht, Kleber, Dichtung oder sonstige Verbrauchsmaterialien. Es gibt weder Ersatzteilshops oder -händler oder Baumärkte. Wohl dem Kubaner, der Verwandte in den USA hat, die das eine oder andere Ersatzteil bzw. Material besorgen oder wenigstens ein paar Dollar zusteuern können.

Kuba ist das einzige Land der Welt, wo der Taxifahrer sagt wo es lang geht!

Die Oldtimer in Havanna fahren zwar auch als „normale“ Taxis, aber die meisten sind Sammel- oder Routentaxis, die eine bestimmte Strecke fahren, auf der die Passagiere das Taxi anhalten und dann mit ihm auf der Strecke fahren, solange es sie ihrem Ziel näher bringt. Dann ist man entweder am Ziel angekommen oder muss ein weiteres Routentaxi nehmen. 

Die kubanischen Oldtimer sind natürlich die Touristenattraktion und aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Aber für die Einwohner Havannas – die Habaneros –  sind sie vor allem die Lebensadern des Transports, die dafür sorgen, dass die Wirtschaft nicht zusammenbricht und die arbeitende Bevölkerung zur Arbeit kommt.

Auch die Auto-Oldies Havannas werden eines Tages verschwinden

Es ist zwar kaum vorstellbar, aber irgendwann werden auch die Auto-Oldies aus dem Stadtbild von Kubas Hauptstadt verschwunden sein. Sie verdanken ihre Existenz der besonderen Geschichte des Landes und dem stetigen Mangel.  Wenn dieser eines Tages überwunden sein sollte und wieder mehr Neuwagen, Kleinbusse und Busse importiert werden, wird auch ihre Zeit auf Kuba zu Ende gehen. Solange die US-Handelsblockade besteht und es mit der Wirtschaft Kubas weiter bergab geht, der Verkehr aber weiter trotzdem rollen muss, werden sie fahren. Klappernd, brummend und lange Rauchfahnen hinter sich her ziehend, als die letzten Automobilen Zeugen des vorrevolutionären Kubas. Instand gehalten von einer Generation von einzigartigen Automechanikern, die wahrscheinlich leider auch irgendwann zusammen mit ihren Auto-Dinosauriern aussterben werden.

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Der Ron Arecha gilt als die vergessene Perle der Antillen. Für seine Herstellung wird Zuckerrohr aus den Sierra Maestra verwendet, das für seine besondere Qualität bekannt ist. Nach der Destillation lagert er 10 Jahre unter tropischen Klimaverhältnissen in Eichenfässer. Das alles verleiht ihm einen einzigartigen Geschmack nach Karamell, exotische Früchten, Honig und Vanille.

Das Video zum Buch

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