Die Maroons – ein idigenes Volk auf Jamaika

Gemäß dem World Directory of Minorities and Indigenous Peoples (WDMIP) sind die Maroons Jamaikas ein indigenes Volk. Indigene Völker werden als Nachkommen der Erstankömmlinge oder frühesten überlebenden Bewohner eines Landes definiert. Weltweit werden zwischen 350 und 500 Millionen Menschen dazu gezählt, die in bis zu 90 Ländern leben. Aktuell leben sie auf bis zu 22 Prozent der globalen Landfläche und umfassen etwa 5.000 verschiedene kulturelle Gruppen, die 4.000 der 7.000 Sprachen der Welt sprechen.

Zu den Maroons von Jamaika heißt es im WDMIP: „Der größte frühe einzelne Exodus von Afrikanern weg von der Sklaverei kam, als die Briten 1655 in Jamaika einfielen und die Spanier vertrieben. Eine große Anzahl von Afrikanern floh in die Hügel und Berge und verband sich mit den indigenen Taíno, wodurch der Grundstein für die Bildung der Maroon-Siedlungen gelegt wurde.“

Tatsächlich soll „Maroon“ von Cimarrón abgeleitet sein, das im Spanischen für ein entlaufenes Haustier steht. In der Sprache der Arawaka- und Taino-Indianer gibt es das Wort „Samara“, was „Pfeil“ bedeutet und die anhaltende Aktion oder den Flug eines Pfeils bezeichnet. Die aus Afrika nach Jamaika verschleppten Sklaven mussten zusammen mit den überlebenden Taíno-Indianern in spanischen Minen und auf Zuckerplantagen arbeiteten. Die Wolofs – eine Gruppe entlaufener Sklaven und Taino Indianer, angeführt vom Cacique Enriquillo zerstörten bereits 1521 die Zuckerplantage von Diego Colón und setzen damit ein Zeichen des Widerstandes gegen die Eroberung.  Die Eheschließung zwischen afrikanischen Sklaven und Taino-Indianern definierte also die Existenz und die Erfahrungen von Afrikanern und First Nation-Völkern, wo immer sie versklavt wurden oder Versuche unternommen wurden, sie zu erobern und zu versklaven. Es gab solche Gemeinschaften sowohl in Afrika als auch in fast ganz Amerika.

Maroon-Gemeinschaften stellten eine Bedrohung für die Europäer dar. Sie widersetzten sich der Sklaverei und wurden von europäischen Militärs mit dem Ziel gejagt, sie zu vernichten. Den Spaniern und später Briten gelang es aber nie, sie zu zerschlagen. 1655 halfen Maroons den Briten sogar, die Spanier aus Jamaika zu drängen, wurden dann aber auch von den englischen Kolonialherren verfolgt. Anfang des 18. Jahrhunderts vereinigten sich verschiedene Maroon-Gruppen auf Jamaika und begannen Verhandlung mit den Briten. Der erste Maroon Krieg endete nach fast 10 Jahren 1739 mit einem Friedensvertrag, der den Maroons weitgehende Autonomierechte zugestand. Durch ihre geschickten Guerilla-Taktiken und Führungsqualitäten konnten sich die Maroons gegenüber den britischen Militärs behaupten.  1795 im zweiten Maroon-Krieg rief der neue Gouverneur von Jamaika, der Earl of Balcarres, nach Unruhen das Kriegsrecht aus. Er sollte noch fünf Monate dauern, während derer 300 Maroons aus den Bergen einer Übermacht von etwa 1500 ausgesuchten europäischen Soldaten und 3000 Milizionären standhielten. Der Earl of Balcarres musste schließlich einsehen, dass er den Maroons so einfach nicht beikommen konnte, und importierte einhundert Bluthunde aus Kuba. Noch vor dem Eintreffen der Tiere bemühten sich die Maroons um Frieden.

Bis zum heutigen Tag sind die Maroons auf Jamaika autonom und haben ihre ursprüngliche Kultur bewahrt. Der Ort Accompong in den Bergen von St. Elizabeth, im Südwesten der Insel, kennt noch eine lebendige Gemeinschaft von ungefähr 600 Personen. Jedes Jahr, am 6. Januar, wird hier ein großes Festival zum Gedenken an den Tag der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit den Briten organisiert. Außerdem werden für Touristen Führungen durch den Ort angeboten. Insgesamt existieren noch etwa 7.000 Maroons in Jamaika. Sie leben hauptsächlich im Cockpit Country im Landesinneren. 

Originalbeitrag: Jamaican Gleaner, Prof. Verene A. Shepherd / Direktorin des Center for Reparation Research (CRR) an der University of the West Indies (UWI)

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