Authentisch karibischen Spiced Rum ganz einfach selber machen

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Natürlich kann man bereits jede Menge so genannter Spiced Rum im Laden kaufen. Aber die sind meist nicht authentisch karibisch und nur aromatisiert. Wie wäre es , wenn Sie sich wie in der Karibik ihren eigenen Spiced Rum ansetzen würden? Ein wenig Karibikgefühl zu Hause kann doch nicht schaden – oder?. Es ist eigentlich ganz einfach und alles, was Sie dafür brauchen, finden Sie meist sogar beim Discounter um die Ecke. Kreieren Sie einen Spiced Rum nach ihrem Geschmack mit den Früchten, Gewürzen und Aromen, die sie besonders mögen und dem Rum ihrer Wahl – für sich selbst oder als individuelles, sehr persönliches Geschenk für Freunde und Bekannte. Sie werden schnell feststellen, dass es Spaß macht auszuprobieren, wie sich manche Aromen hervorragend kombinieren lassen und manche eher nicht zueinander passen. Aber alles ist eine Frage des Geschmacks und der ist so individuell wie wir Menschen selbst. Also – einfach mal ausprobieren!

Wie wird aus Rum ein Spiced Rum?

Bei dem der Herstellung von Spiced Rum zugrunde liegenden Verfahren der Mazeration wird ein Material in einer Flüssigkeit wie Wasser, Öl oder eben Alkohol als solches nicht aufgelöst, sondern nur seine löslichen Bestandteile wie Farb- oder Aromastoffe. Die Reste der ursprünglichen Träger dieser Substanzen (Schalen, Gewürze etc.) bleiben erhalten. Alles was man für die Herstellung von Spiced Rum braucht, sind neben einem gut verschließbaren Gefäß, gute Zutaten der Wahl, etwas Erfahrung und auch ein klein wenig Zeit. Im Unterschied zur Herstellung der meisten Liköre benutzt man bei der authentisch karibischen Variante Rum anstatt Neutralalkohol und verwendet neben Rohrzucker nur naturbelassene Produkte wie frische Früchte und-säfte, Gewürze und natürliche Aromaträger wie zum Beispiel Kakaobohnen oder Vanilleschoten. Natürlich könnte man wie bei den meisten Likören auch mit Sirups arbeiten. Das Ergebnis ist dann deutlich schneller erreicht, aber eben kein authentisch karibischer Spiced Rum und den Unterschied merkt man deutlich.

Welcher Rum ist als Rumbasis für einen Spiced Rum geeignet?

Rum ist nicht gleich Rum. Ursprünglich wurde Spiced Rum in der Karibik mit dem kräftigen Rum aus der Brennblase – auch als jamaikanischen Rum-Stil benannt – hergestellt. Erst als sich das industrielle Säulendestillationsverfahren in der Rumproduktion stärker durchgesetzt hatte, wurde dieser durch die geschmacklich leichteren und gefälligeren, aber bei weitem nicht so geschmacksintensiven Rums – auch als Rums des kubanischen Rum-Stil bezeichnet – verdrängt. Auch hier können Sie Ihren Vorlieben beim Rum oder Ihrer Experimentierlust freien Lauf lassen.

Für einen fruchtigen Spiced Rum oder feine Aromen wie Kakao oder Tonkabohne nutzt man eher einen weißen oder braunen Rum des kubanischen Stils mit ca. 37 – 40 Vol.%. Für einen kräftigen Gewürzrum wie einem Falernum oder Piment-Rum hingegen sollte man eher einen Pott Still Rum des jamaikanischen Stils mit mindestens 40 Vol.% – gerne als Overproof mit 54 Vol.% bevorzugen. Man kann als Rumbasis sowohl mit einfachen, preiswerten weißen oder braunen, nur kurz gelagerten Rums, aber auch mit zwischen 3-7 Jahre gelagerten Rums arbeiten. Bei letzteren kann der Geschmack des fertigen Spiced Rums etwas „feiner“ und gefälliger sein. Wenig sinnvoll ist es aber, einen teuren, lange gelagerten Rum oder einen Blend zu verwenden. Sein feiner Geschmack würde im fertigen Spiced Rum kaum noch spürbar sein. Spannend wird es, wenn Sie anstatt eines Rums des jamaikanischen oder kubanischen Stils mit einem Rhum Agricole als Rumbasis experimentieren. Dieser Rum wird aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert, ist deutlich trockener und weniger süß, als die anderen beiden Rumstile. 

Auf die Zutaten kommt es an!

Bei der Wahl der Zutaten sind Sie völlig frei. Sie sollten nur möglichst natürlich und unbehandelt sein. Gewürze werden ganz oder nur leicht gestößelt in die Rumbasis gegeben. Bei Zitrusfrüchten wie Limetten, Zitronen oder Orangen verwendet man in der Regel nur die unbehandelte Schale (Zeste), die man fein und dünn mit einem Sparschäler ablösen sollte, ohne die weiße, oft bittere Haut der Frucht mit abzulösen. Eine Vanilleschote wird nur leicht mit einem spitzen Messer längs mehrfach eingeritzt. Frische Zutaten wie Ingwer sollte geschält und in dünne Scheiben geschnitten werden. Verwenden Sie auf keinen Fall Gewürze in Pulverform. 

Wie lange soll der „Urlaub“ der Zutaten im Rum dauern?

Wie lange etwas in der Rumbasis verbleiben sollte, hängt von der jeweiligen Zutat und der gewünschten Intensität des Aromas ab. In der Regel beträgt die Zeit für die Mazeration zwischen 2-3 Tagen (bei Zitrusfrüchten, frischen Zutaten wie Ingwer und kräftigen Gewürzen) und maximal 2-3 Wochen bei feinen Aromen wie Kakao- oder Tonkabohne. Gelegentliches Schütteln sorgt für die bessere Aufnahme der Aromen, ist aber nicht zwingend erforderlich. Manche Aromen ändern sich manchmal ins Unangenehme, wenn sie zu lange in der Rumbasis verbleiben. Die Zeste von Zitrusfrüchten sollte spätestens nach dem 3. Tag entfernt werden, da sie sonst bittere Noten abgeben kann. Auch bei Vanille ist Vorsicht geboten. Der feine Geschmack kann schnell mal in ein unangenehmes, muffiges Etwas umschlagen. Bei Gewürzen entscheidet nicht nur die Menge sondern auch die Länge der Mazeration über die Intensität des Geschmacks. Länger heißt in der Regel intensiver, aber denken Sie daran, dass man wie in der Küche mit Gewürzen eher sparsam umgehen sollte. Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei Muskat und Kardamom geboten. Aufgrund der speziellen Inhaltsstoffe sollte man hier eher Vorsicht walten lassen. Unser Tipp – ab dem zweiten oder dritten Tag immer wieder probieren und kosten, ob das Ergebnis ihren Erwartungen entspricht. Um zu verhindern, dass Sie dabei zum „Alkoholiker“ werden nutzen Sie einfach eine im Handel erhältliche Pipette. Zum Kosten genügen in der Regel nur wenige Tropfen.

Darf es vielleicht auch etwas Chili sein?

Nicht nur beim Essen mögen es Manche scharf. Auch beim Spiced Rum verleiht Schärfe diesem den gewissen Kick. Und keine Sorge, die Schärfe bleibt bei richtiger Vorgehensweise eher dezent im Hintergrund und passt sowohl zu Gewürz- als auch Fruchtaromen und Süße oder Kakao. Man kann mit frischer Chilischote, Peperoni oder ganzen, oder grob zerstoßenen schwarzen, weißen, grünen oder bunten Pfefferkörnern arbeiten. Mutige wagen sich auch an scharfe Habanero oder Vogelaugen Chilis. Geben Sie aber die Chilis in jedem Fall ganz in den Rum und verwenden Sie kein Pulver oder flüssige Chili- oder Pfeffersaucen. Ein Alles-Könner bei den Gewürzen ist Piment bzw. Nelkenpfeffer. In Jamaika wird das Gewürz auch Allspice genannt, weil es den Geschmack von mehreren Gewürzen wie Pfeffer, Nelke, Zimt und Muskat vereint. 

Zum Schluss kommt die Süße!

Nach der Mazeration werden die Zutaten mittels feinem Sieb entfernt. In der Regel lohnt es sich, die noch feuchten Zutaten in ein Geschirr- oder stabiles Küchentuch zu geben und damit auszupressen um auch noch das letzte Aroma herauszuholen. Den Spiced Rum dann zunächst grob, zum Beispiel mittels eines Küchen- oder Geschirrtuches filtern. Die Zugabe von Zucker sollte in Form von Sirup erfolgen. Dazu sollte der Zucker mit der gleichen Menge Wasser (1:1) bei 80-90 Grad (nicht kochendem Wasser) vollständig gelöst werden. Wenn Sie einen höheren Alkoholgehalt ihres Spiced Rums wünschen, verwenden Sie eine 2:1 Zuckerlösung – also 2 Teile Zucker und 1 Teil Wasser. Sobald der Zuckersirup abgekühlt ist, kann er zum Spiced Rum gegeben werden. Wenn Sie ohne Rezept arbeiten, geben Sie am Besten immer nur eine Teilmenge der Zuckerlösung hinzu und probieren Sie. Zucker macht den Spiced Rum nicht nur süß, sondern verstärkt teilweise auch die anderen Aromen. Weniger Zucker ist manchmal sogar mehr.

Sieht ihr Rezept zusätzlich Fruchtsäfte wie zum Beispiel frischen Limettensaft vor, sollte dieser vorab abgekocht und ebenfalls zum Schluss, abgekühlt dem Spiced Rum zugeführt werden.

Was passiert mit den Zutaten nach dem „Bad“ im Rum?

Wenn Sie die festen Bestandteile aus dem Rum entfernt haben, sollten Sie diese nicht gleich gedankenlos im Biomüll entsorgen. Man kann zum Beispiel die Außenschale von Zitrusfrüchten, Ingwerstückchen, Vanilleschoten, Mandeln oder Kakaobohnenbruch wunderbar für Kuchen, Desserts oder Ihr Müsli verwenden oder einen leckeren Tee oder Aufguss daraus machen. Trocknen Sie die Reste einfach schonend bei 75 – 80 Grad im Backofen oder einer Mikrowelle mit Heißluftfunktion und bewahren Sie das Trockengut in einem gut verschlossenen Gefäß auf oder vakuumieren Sie es. Sie werden vom Geschmack begeistert sein. Die Reste der Gewürze wie Nelken, Gewürzkörner, Zimtstangen, Sternanis, Vanilleschoten kann man nach dem Trocknen zum Beispiel für Dekorationszwecke oder verpackt in luftdurchlässige Beutelchen als Duftsäckchen verwenden

Oft liegt der Geschmack im Verborgenen

Wenn der fertige Spiced Rum geschmacklich Ihren Vorstellungen entspricht, kann er zum Abschluss für eine gefällige Optik noch einmal mittelfein gefiltert werden. Filtert man ihn zu stark, sieht er zwar optisch top aus, verliert aber deutlich an Geschmack. Ein leichter Bodensatz in der Flasche ist bei Spiced Rum kein Makel, sondern naturgegebener Geschmack. Einfach vor dem Genuss kurz die Flasche schütteln und die Aromen landen am Gaumen. Spiced Rum sollte nicht zu warm und in einer gut verschlossenen Flasche gelagert werden. Eine Kühlung ist aufgrund des Alkoholgehaltes von in der Regel 20% und mehr nicht zwingend erforderlich. 

Seien Sie kreativ und mutig aber genießen Sie verantwortungsvoll!

Rezepte und Anregungen für Spiced Rums finden Sie auf unserer Homepage. Fangen Sie zunächst mit einem einfachen Rezept und wenigen Zutaten an und probieren Sie sich als Spiced Rum Blendmaster aus. Ein Masterblender für die Rumproduktion muss mindestens 10 Jahre Erfahrung mitbringen. So lange werden Sie allerdings nicht brauchen. Aber denken Sie daran, dass es sich um Alkohol handelt und man damit verantwortungsvoll umgehen sollte. Er gehört nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen und auch Sie sollten ihn nur in Maßen genießen. Und wenn Sie das Rezept für den ultimativen Spiced Rum gefunden haben, lassen Sie es uns wissen oder gründen Sie ihre eigene Rumfirma, werden Millionär und kaufen sich eine eigene Karibikinsel. 

Sollten Sie jetzt doch keine Lust oder Zeit haben, sich Ihren eigenen Spiced Rum anzusetzen, gibt es natürlich noch unseren Onlineshop mit den handgemachten Spiced Rums der Caribbean Embassy. Die schmecken nicht nur lecker pur, man kann mit ihnen auch einzigartigen Cocktails mixen. Wenn Sie dann doch noch Lust bekommen, können Sie die spezielle, wiederverwendbare Bügelverschlussflasche für Ihren eigenen Spiced Rum verwenden.

Viel Spaß, Erfolg, Kreativität und karibische Gelassenheit beim Ausprobieren wünscht Ihnen 

Das Karibikportal der Caribbean Embassy

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