Wie ein karibisches Top-Hotel seinen Strand verlor – und wiederfand
Vor dem Grand Cayman Marriott war der berühmte Seven Mile Beach praktisch verschwunden. Mit rund 6.100 Kubikmetern Sand aus den Bahamas und neuen Küstenschutzstrukturen holte das Resort seinen Strand zurück. Das Projekt könnte nun zur Blaupause für Grand Cayman werden.
Noch 2024 bot sich vor dem Grand Cayman Marriott Resort ein ungewöhnliches Bild: Wo Urlauber eigentlich am Strand liegen sollten, schlug das Karibische Meer direkt gegen die Begrenzungsmauer des Hotels. Der Sandstrand war vollständig verschwunden. Boote konnten praktisch dort anlegen, wo früher Gäste am Seven Mile Beach entlangspazierten. Für ein Hotel, das sich Grand Cayman Marriott Beach Resort nennt, war das nicht nur ein Imageproblem. Der fehlende Strand führte zu sinkender Auslastung und erheblichen Einnahmeverlusten. Heute sieht es dort wieder ganz anders aus. Vor dem Marriott liegt erneut ein breiter Sandstrand – das Resort ist wieder ein echtes Beach Resort.
6.100 Kubikmeter Sand aus den Bahamas
Möglich wurde das durch ein auf den Cayman Islands bislang ungewöhnliches Projekt. Rund 6.100 Kubikmeter Sand wurden aus den Bahamas importiert und vor dem Hotel aufgeschüttet. Zusätzlich entstanden zwei flache Felsstrukturen, die die Wellenbewegung beeinflussen und den neuen Strand stabilisieren sollen. Das im August 2026 abgeschlossene Projekt wurde zuvor von den zuständigen Umweltbehörden geprüft und von der Regierung genehmigt. Denn Eingriffe in die Küstenlinie können Strömungen und Sandbewegungen verändern und dadurch auch benachbarte Strandabschnitte beeinflussen. Der Marriott gilt deshalb als wichtiger Testfall für die Frage, ob sich stark erodierte Bereiche des Seven Mile Beach auf diese Weise dauerhaft wiederherstellen lassen.
Die Natur half mit
In den vergangenen Monaten kam Unterstützung von unerwarteter Seite. Stürme und veränderte Wellenbewegungen brachten auch auf benachbarten Abschnitten Sand zurück. Am ehemaligen Royal-Palms-Gelände ist beispielsweise wieder ein Strand von fast 40 Metern Breite entstanden. Auch an anderen Stellen im Süden des Seven Mile Beach stehen wieder Liegestühle dort, wo vor wenigen Monaten noch das Meer bis an die Ufermauern reichte. Ob dieser natürliche Sandzuwachs von Dauer ist, bleibt allerdings offen. Die Küstenlinie verändert sich saisonal, und Sand, den das Meer heute ablagert, kann später wieder abgetragen werden.
Eine Blaupause für den Seven Mile Beach?
Genau deshalb reicht die Bedeutung des Marriott-Projekts über das einzelne Hotel hinaus. Erstmals wurde auf Grand Cayman ein Verfahren entwickelt und genehmigt, mit dem ein privater Eigentümer eine größere Strandwiederherstellung einschließlich des Imports geeigneten Sands umsetzen konnte. Andere Hotels und Grundstückseigentümer könnten nun auf diesen Erfahrungen aufbauen. Auch über eine größere, zusammenhängende Wiederherstellung erodierter Abschnitte des Seven Mile Beach wird bereits diskutiert. Ob der neue Strand vor dem Marriott langfristig Bestand hat, müssen die kommenden Jahre zeigen. Gelingt das, könnte aus der Rettung eines einzelnen Hotelstrandes tatsächlich eine Blaupause für die Zukunft des Seven Mile Beach werden.
Originalbeitrag: Cayman Compass Bild: Cayman Compass

