Hurrikansaison 2026: Wo bleiben die Hurrikane?
Fünf Tropenstürme, aber noch kein einziger Hurrikan: Die Atlantische Hurrikansaison 2026 verläuft bislang außergewöhnlich ruhig. Ausgerechnet jetzt, kurz vor dem statistischen Höhepunkt der Saison am 10. September, nähert sich das Jahr sogar einem Rekord. Doch für Entwarnung in der Karibik ist es noch zu früh.
Fünf Stürme – kein Hurrikan
Arthur, Bertha, Cristobal, Dolly und Edouard: Fünf benannte Tropenstürme hat die Saison bislang hervorgebracht. Keiner von ihnen erreichte Hurrikanstärke. Normalerweise wären Anfang September bereits etwa sieben benannte Stürme und drei Hurrikane registriert worden. Noch deutlicher zeigt sich die ungewöhnliche Ruhe beim sogenannten Accumulated Cyclone Energy Index (ACE), der Dauer und Stärke tropischer Wirbelstürme zusammenfasst. Anfang September lag er rund 91 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch am 8. September zeigt die Übersicht des National Hurricane Center derzeit keinen aktiven tropischen Wirbelsturm im Atlantik, der Karibik oder dem Golf.
Ein Rekord rückt näher
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Der 10. September gilt statistisch als Höhepunkt der Atlantischen Hurrikansaison. Seit Beginn der regelmäßigen Satellitenbeobachtung 1966 entstand der erste Hurrikan einer Saison nie später als Mitte September. Zu den bisherigen Spätstartern gehören Gustav 2002 und Humberto 2013, die jeweils erst am 11. September Hurrikanstärke erreichten. Bleibt auch in den kommenden Tagen ein Hurrikan aus, könnte 2026 damit einen ungewöhnlichen meteorologischen Rekord aufstellen.
Warum ist es bislang so ruhig?
Eine wichtige Rolle spielt El Niño. Das Klimaphänomen verstärkt häufig die Windscherung über Atlantik und Karibik. Unterschiedliche Windrichtungen und -geschwindigkeiten in verschiedenen Höhen erschweren es tropischen Stürmen, sich zu organisieren und zu Hurrikanen zu verstärken. Hinzu kam in diesem Sommer immer wieder trockene und staubhaltige Luft aus der Sahara. Der sogenannte Saharan Air Layer zieht vom afrikanischen Kontinent weit über den Atlantik und kann die Entwicklung tropischer Systeme zusätzlich behindern. NOAA hatte deshalb seine Saisonprognose bereits im August deutlich nach unten korrigiert: Erwartet werden inzwischen 7 bis 13 benannte Stürme, 2 bis 6 Hurrikane und maximal zwei schwere Hurrikane.
Die Saison ist noch lange nicht vorbei
Die ungewöhnliche Ruhe hat allerdings einen Haken: Die Atlantische Hurrikansaison endet offiziell erst am 30. November. Gerade die westliche Karibik hat mehrfach erlebt, wie gefährlich Oktober und sogar November noch werden können. Mitch 1998, Wilma 2005, Paloma 2008 und zuletzt Melissa 2025 entwickelten ihre größte Zerstörungskraft erst spät in der Saison. Deshalb bringt es Ken Graham, Direktor des US National Weather Service, auf einen einfachen Punkt:
„It only takes one storm to make for a very bad season.“
Oder auf Deutsch: Ein einziger Hurrikan kann aus einer ruhigen Saison eine verheerende Saison machen.
Die Zahlen zur Saison 2026
| Stand Anfang September | 2026 | Durchschnitt |
|---|---|---|
| Benannte Stürme | 5 | 7 |
| Hurrikane | 0 | 3 |
| ACE | 4,4 | rund 91 % höher |
| Höhepunkt der Saison | 10. September |
Quelle: NOAA Titelbild: ChatGPT

