Korallenriffe der Karibik unter Druck – 43 Prozent weniger lebende Hartkorallen
Die Korallenriffe der Karibik haben in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich an lebenden Hartkorallen verloren. Nach dem neuen globalen Korallenreport ist deren Bedeckung in der Region um 43,4 Prozent zurückgegangen. Damit gehört die Karibik zu den weltweit am stärksten betroffenen Meeresregionen.
43 Prozent weniger lebende Hartkorallen
Der Bericht „Status of Coral Reefs of the World 2025“ des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) untersucht die Entwicklung der Korallenriffe weltweit von 1980 bis 2024. Grundlage sind rund 21,1 Millionen Beobachtungen aus 87.299 Untersuchungen an 36.886 Standorten in mehr als 120 Ländern und Territorien. Die Daten zeigen weltweit einen Rückgang lebender Hartkorallen. In der Karibik sank ihre Bedeckung innerhalb von rund vier Jahrzehnten um 43,4 Prozent. Nur die ROPME Sea Area rund um den Persischen Golf und angrenzende Gewässer verzeichnete mit 48,7 Prozent einen noch stärkeren Rückgang. Die Zahl bedeutet nicht, dass 43 Prozent der karibischen Korallenriffe verschwunden sind. Gemessen wird der Anteil der Rifffläche, der von lebenden Hartkorallen bedeckt ist.
Immer kürzere Erholungsphasen
Als wichtigste Ursache für die Entwicklung nennt der Bericht den durch den Klimawandel verursachten Hitzestress. Ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen können Korallenbleichen auslösen. Eine gebleichte Koralle ist nicht zwangsläufig tot und kann sich bei günstigeren Bedingungen wieder erholen. Der Bericht zeigt allerdings, dass die Abstände zwischen größeren Belastungen kürzer werden. Nach starken Bleiche-Ereignissen beginnt sich die Korallenbedeckung zu erholen, erreicht aber vor der nächsten Belastung häufig nicht mehr das vorherige Niveau. Dass eine Regeneration möglich ist, zeigen ebenfalls die Daten: Zwischen 2017 und 2019 nahm die globale Hartkorallenbedeckung um rund sechs Prozent zu. Neben hohen Wassertemperaturen nennt der Report schlechte Wasserqualität, Nährstoffeinträge, Überfischung und Küstenentwicklung als zusätzliche Belastungsfaktoren.
Cayman Islands: Von 25 auf teilweise 6 Prozent
Wie stark sich diese Entwicklung innerhalb der Karibik auswirken kann, zeigen die Cayman Islands. Das dortige Department of Environment untersucht seit 1997 regelmäßig die Korallenriffe rund um Grand Cayman, Cayman Brac und Little Cayman. Zu Beginn der Untersuchungen lag die durchschnittliche Korallenbedeckung bei etwa 25 Prozent. Bis 2023 war sie auf durchschnittlich 11 Prozent zurückgegangen. Auf Grand Cayman lag die durchschnittliche Bedeckung 2024 sogar nur noch bei etwa sechs Prozent. Gerade für die Cayman Islands haben die Riffe auch wirtschaftliche Bedeutung. Tauchen und Schnorcheln gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten touristischen Angeboten der Inseln.
Riffe als natürlicher Küstenschutz
Korallenriffe erfüllen darüber hinaus eine wichtige Funktion für den Küstenschutz. Nach Angaben des GCRMN können sie die auf eine Küste treffende Wellenenergie um bis zu 97 Prozent reduzieren. Für viele karibische Inseln mit dicht bebauten Küsten und regelmäßigen tropischen Stürmen ist diese Funktion von besonderer Bedeutung. Vorgelagerte Riffe nehmen einen erheblichen Teil der Wellenenergie auf, bevor sie Strände und Küsten erreichen. Hinzu kommt ihre Bedeutung für den Tourismus. Nach Angaben des Reports werden weltweit jährlich rund 36 Milliarden US-Dollar durch Tourismus und Freizeitaktivitäten rund um Korallenriffe erwirtschaftet.
Erholung ist weiterhin möglich
Trotz des langfristigen Rückgangs zeigen die Untersuchungen, dass sich Korallenbestände zwischen größeren Störungen wieder erholen können. Entscheidend dafür sind ausreichend lange Erholungsphasen. Der GCRMN-Bericht sieht deshalb zwei Ansatzpunkte: eine Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen sowie lokale Maßnahmen gegen zusätzliche Belastungen der Riffe, etwa durch schlechte Wasserqualität, Überfischung und intensive Küstenentwicklung. Die Daten zeigen zugleich, wie stark sich die Bedingungen in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben: In der Karibik ist die Bedeckung mit lebenden Hartkorallen seit 1980 um 43,4 Prozent zurückgegangen.
Quelle: Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) Titelbild: ChatGPT

