El Niño bringt der Karibik mehr als nur weniger Hurrikans

Die Rückkehr von El Niño könnte die Karibik in den kommenden zwei Jahren vor erhebliche Herausforderungen stellen. Klimaforscher des Caribbean Institute of Meteorology and Hydrology (CIMH) und der University of the West Indies warnen vor einer Kombination aus Hitze, Trockenheit und Belastungen für Umwelt und Wirtschaft. Historisch waren starke El-Niño-Phasen in der Karibik häufig mit längeren Dürreperioden verbunden. Besonders die östliche Karibik könnte von geringeren Niederschlägen betroffen sein, wodurch sich Wasserreservoirs langsamer erholen und die Versorgung mit Trinkwasser unter Druck geraten könnte.

Gleichzeitig rechnen Experten mit überdurchschnittlichen Temperaturen und häufigeren Hitzewellen. Dies kann nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung belasten, sondern auch den Energieverbrauch für Klimaanlagen deutlich erhöhen. Auch die Landwirtschaft dürfte die Folgen spüren. Weniger Niederschlag und höhere Temperaturen erschweren den Anbau vieler Nutzpflanzen und können zu geringeren Erträgen führen. Viehhalter müssen zudem mit zusätzlichem Hitzestress für ihre Tiere rechnen. Besondere Sorgen bereiten den Wissenschaftlern die Meeresökosysteme. Marine Hitzewellen können zu Korallenbleichen führen und empfindliche Riffe schädigen. Da Korallenriffe eine wichtige Rolle für den Küstenschutz und den Tourismus spielen, könnten die Auswirkungen weit über den Umweltbereich hinausreichen. Hinzu kommt eine erhöhte Waldbrandgefahr auf mehreren Inseln. Bereits trockene Vegetation kann sich bei anhaltender Hitze leichter entzünden und großflächige Brände begünstigen.

Trotz der erwarteten Abschwächung der Atlantischen Hurrikansaison warnen Experten davor, die Gefahr tropischer Stürme zu unterschätzen. Auch in El-Niño-Jahren können einzelne starke Hurrikans oder Starkregenereignisse erhebliche Schäden verursachen. Die Klimaforscher sprechen daher von einer möglichen „Mehrfach-Gefahrenlage“, bei der Hitze, Dürre, Waldbrände und Belastungen der Meeresökosysteme gleichzeitig auftreten können. Regierungen, Unternehmen und Privathaushalte werden aufgefordert, sich frühzeitig auf die möglichen Auswirkungen vorzubereiten.

Originalbeitrag: Saint Lucia Times Foto: Adobe Stock