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Regierungswechsel in St. Vincent und den Grenadinen: Godwin Friday wird neuer Premierminister

Nach 24 Jahren an der Macht hat St. Vincent und die Grenadinen einen neuen Premierminister: Godwin Friday von der New Democratic Party (NDP) besiegte den langjährigen Amtsinhaber Ralph Gonsalves von der Unity Labour Party (ULP) deutlich und wurde am Freitag offiziell vereidigt.


Ende einer Ära: Ralph Gonsalves verliert nach 24 Jahren

Ralph Gonsalves, der seit März 2001 im Amt war, gilt als einer der dienstältesten demokratisch gewählten Regierungschefs der Welt. Er war ein überzeugter Unterstützer von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel und spielte eine wichtige Rolle innerhalb der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM). Jamaikas Premierminister Andrew Holness würdigte Gonsalves auf Social Media als „starke Stimme für regionale Zusammenarbeit“ und lobte seinen Einsatz für die Integration der Karibik.


Ein neuer Kurs unter Godwin Friday

Godwin Friday führte die NDP mit einem klaren Sieg: 14 von 15 Wahlkreisen gingen an seine Partei. In seiner ersten Rede versprach er, Lebensstandard, Löhne und Infrastruktur zu verbessern und mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

„Die Menschen haben gesprochen. Sie wollen eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien“, sagte Friday vor jubelnden Anhängern in Kingstown.
„Wir wissen, dass wir ein armes Land sind – aber wir können viel mehr aus dem machen, was wir haben.“

Friday will den wirtschaftlichen Fokus erweitern: Neben Tourismus sollen auch Investitionen, Sicherheit und Bildung gestärkt werden.


Hintergrund: Wirtschaftliche Herausforderungen

St. Vincent und die Grenadinen haben derzeit eine Arbeitslosenquote von rund 18 % und eine Armutsrate von 26 %. Die Wirtschaft des Inselstaates ist stark vom Tourismus abhängig und kämpft weiterhin mit den Folgen des Vulkanausbruchs des La Soufrière im Jahr 2021. Die neue Regierung setzt zudem auf engere Beziehungen zu China und erwägt ein Citizenship-by-Investment-Programm, während Gonsalves bislang eine enge Partnerschaft mit Taiwan pflegte.


Regionale Bedeutung

St. Vincent spielt eine zentrale Rolle in der regionalen Diplomatie: Unter Gonsalves’ Führung vermittelte das Land 2023 in einem Grenzstreit zwischen Venezuela und Guyana. Friday kündigte an, diese Tradition der regionalen Zusammenarbeit fortzusetzen – jedoch mit einem stärker wirtschaftsorientierten Ansatz.


Fotos: Adobe Stock und NDP

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