Kubanische Köche überwinden Engpässe mit viel Einfallsreichtum und Facebook

Der Mangel ist auf Kuba allgegenwärtig und besteht in so gut wie jedem Bereich der Wirtschaft und des alltäglichen Lebens. Die Kombination von COVID-19, dem Wegfall der Einnahmen aus dem Tourismus, die zahlreichen Probleme der Mangelwirtschaft und die noch vom ehemaligen Präsidenten Trump verhängten verschärften US-Sanktionen haben alles noch knapper gemacht, als es vorher ohnehin schon war. Wenn man nicht die passende Zutat für das geplante Essen finden kann oder Alternativen sucht – kein Problem. Die Kubanerin Yuliet Colón hilft ihren Landsleuten, ein Dessert mit den Eiern zu zaubern, auf die Sie zufällig gestoßen sind oder tauscht Schweinefleisch gegen das Huhn bzw. Erdnüsse statt Bohnen in Ihrem Reis nach kubanischer Art aus.

Sie gehört zu einer Gruppe von Kubanern, die mit Einfallsreichtum anderen dabei helfen, die durch die neue Coronavirus-Pandemie verschärften Engpässen zu umzugehen. Sie nutzen dazu Facebook-Posts mit kulinarischen Kreationen dessen erstellen, was man auf dem Markt wahrscheinlich gerade tatsächlich finden kann. Colón ist eine 39-jährige Mutter von zwei Kindern und eine der Schöpferinnen der Facebook-Seite „Recetas desde el Corazón“, die nach weniger als einem Jahr bereits mehr als 13.000 Mitglieder hat und das in einem Land, die sich aufgrund des kürzlich verbesserten Internetzugangs gerade erst an soziale Medien gewöhnt haben.

Wenn es etwas gibt, dann nur mit langen Warteschlangen und dann muss man nehmen, was man bekommt. Nach einem Besuch des Agrarmarkt in der Nähe ihres Hauses und nachdem sie etwa 40 Minuten in der Schlange gestanden hatte, kaufte Colón die wenigen Gemüsesorten, die sie gefunden hatte. Sie kreierte daraus ein leckeres Gericht aus Zwiebeln, Paprika, Tomaten, Auberginen und Gurken, das sie „Pisto Manchego nach kubanischer Art“ nannte – und erhielt dafür bewundernde Kommentare von anderen Gruppenmitgliedern.

Die Kubaner müssen mit dem Mangel leben. Wenn es Zahnpasta gibt, verschwindet das Deodorant. Wenn es wieder erhältlich ist, ist die Seife und das Toilettenpapier verschwunden. Gleiches gilt für Reis, Bohnen, Milch, Käse, Zwiebeln, Tomaten oder Knoblauch. Obst wurde seit Wochen nicht mehr gesehen.

Manchmal verschwindet sogar die Kartoffel und veranlasst die Kubaner, sich anderen, in der Region beliebten Knollen wie Yucca oder Malanga zuzuwenden. Auf der Facebook-Website finden Sie Vorschläge zum Kochen mit dem, was man gerade findet oder wie man sich zum beispiel selber Käse herstellt, wenn er selber nicht verfügbar sein sollte.

„Was ich am liebsten mag, ist die Zubereitung von Desserts, aber jetzt ist es schwierig, Eier, Milch oder Mehl zu bekommen“, sagte Colón. „Die Küche ist mein glücklicher Ort, wo ich ruhiger bin und mich besser fühle“, sagte sie.

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Originalbeitrag: AP

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